Falsche Behörden-Mails: „Klimasonderzahlung“, ELSTER & Co. – so entlarven Sie den Betrug

Kriminelle geben sich derzeit massenhaft als Behörden aus: erfundene Klimasonderzahlung, gefälschte ELSTER-Mails, Anrufe im Namen der Verbraucherzentrale. Die vier aktuellen Maschen, ihre Erkennungsmerkmale – und ein interaktiver Selbsttest mit fünf echten Beispielen.
Frau am Kuechentisch prueft skeptisch eine E-Mail am Laptop

„Ihre Klimasonderzahlung von 780 € wartet.“ – Mails wie diese landen gerade zu Zehntausenden in deutschen Postfächern. Sie sehen offiziell aus, sie klingen amtlich, und sie haben ein Ziel: Ihre Bankdaten.

Kriminelle geben sich derzeit besonders häufig als Behörden und staatliche Stellen aus. Das Bundesfinanzministerium, das Steuerportal ELSTER, sogar die Verbraucherzentrale selbst werden als Absender missbraucht. Der Grund ist simpel: Wer eine Nachricht von einem Amt bekommt, liest genauer – und zögert weniger.

Das Perfide daran: Die Nachrichten enthalten oft echte Details, sie sind in ordentlichem Deutsch verfasst und die gefälschten Websites sind kaum vom Original zu unterscheiden. Wir zeigen die vier Maschen, die aktuell im Umlauf sind, die Merkmale, an denen Sie jede davon entlarven – und Sie können sich anschließend im interaktiven Selbsttest an fünf echten Beispielen prüfen.

⚠️ Die drei Regeln, die fast alles abfangen

  • Nie über einen Link in einer Nachricht einloggen oder Daten eingeben – Seite immer selbst im Browser aufrufen.
  • Keine Behörde fordert Bankdaten, Passwörter oder TANs per E-Mail, SMS oder Telefon an.
  • Zeitdruck ist das Alarmsignal. „Innerhalb von 48 Stunden“ oder „sonst wird gesperrt“ ist praktisch immer Betrug.

Diese vier Maschen laufen gerade

Alle vier folgen demselben Muster – ein amtlich klingender Absender, ein angeblicher Vorteil oder eine angebliche Gefahr, und ein Link, der zur Eingabe persönlicher Daten führt. Nur die Verpackung wechselt.

Smartphone mit rotem Warnsymbol
💶Die erfundene „Klimasonderzahlung“
Angeblich steht Ihnen aus einem Entlastungspaket eine einmalige Zahlung von mehreren hundert Euro zu. Um sie zu erhalten, sollen Sie „nur kurz“ Ihre Bankverbindung bestätigen.🚩 Woran man es erkennt: Es gibt keinen Regierungsbeschluss zu einer Klimasonderzahlung. Wo Geld versprochen wird, das man nie beantragt hat, ist es immer eine Falle.
🧾Gefälschte ELSTER-Mails
Mit Betreffzeilen wie „Benachrichtigung zur Datensynchronisierung“ wird behauptet, Ihr Steuerkonto oder Zertifikat sei betroffen. Ein Klick soll das Problem lösen.🚩 Woran man es erkennt: Das echte ELSTER-Portal verschickt keine Login-Links und droht nicht mit Sperrungen. Absender-Domains, die nur ähnlich aussehen, sind das Verräterische.
📞Anrufe „im Namen der Verbraucherzentrale“
Am Telefon wird kostenlose Hilfe nach einem angeblichen Datenleck angeboten. Anschließend sollen Sie Ihre Daten auf einer Website „bestätigen“.🚩 Woran man es erkennt: Die Verbraucherzentralen rufen nicht unaufgefordert an. Auflegen, Nummer selbst auf der offiziellen Seite heraussuchen und dort nachfragen.
🔓Die Datenleck-Warnung
Eine Mail behauptet, Ihre Zugangsdaten seien im Darknet aufgetaucht. Zur Prüfung sollen Sie Ihr Passwort auf einer „Sicherheitsseite“ eingeben.🚩 Woran man es erkennt: Kein seriöser Dienst prüft ein Passwort, indem er es abfragt. Genau diese Eingabe ist der Diebstahl.

Die Merkmale einer gefälschten Behörden-Nachricht

Fälschungen sind heute sprachlich gut. Die alten Erkennungszeichen – holpriges Deutsch, wilde Rechtschreibfehler – funktionieren kaum noch. Diese Merkmale funktionieren dagegen weiterhin zuverlässig:

  • Die Absender-Domain stimmt nicht exakt: statt elster.de steht dort etwas wie elster-portal-benachrichtigung.com.
  • Es wird eine Frist gesetzt („innerhalb von 48 Stunden“) oder mit Sperrung, Verfall oder Mahngebühren gedroht.
  • Sie sollen Bankverbindung, Passwort, TAN oder Ausweisdaten eingeben – über einen Link in der Nachricht.
  • Ihnen wird Geld versprochen, das Sie nie beantragt haben.
  • Die Anrede ist allgemein („Sehr geehrte/r Bürger/in“) statt mit Ihrem Namen.
  • Der Link-Text sieht seriös aus, das tatsächliche Ziel beim Darüberfahren mit der Maus aber nicht.

Wichtig ist die Umkehrung der Prüf-Logik: Fragen Sie nicht „Sieht das echt aus?“ – das tut es inzwischen fast immer. Fragen Sie stattdessen: „Hätte diese Stelle überhaupt einen Grund, mir das so zu schreiben?“ Ein Amt, das Ihnen Geld auszahlen will, kennt Ihre Kontodaten längst.

Selbsttest: Erkennen Sie die Fälschung?

Fünf Nachrichten, vier davon aktuell im Umlauf, eine harmlos. Entscheiden Sie selbst – nach jeder Antwort sehen Sie sofort, welches Detail den Ausschlag gibt.

🕵️ Selbsttest: Echt oder Fälschung?

Fünf Nachrichten, wie sie gerade wirklich verschickt werden. Entscheiden Sie – und erfahren Sie sofort, woran man es erkennt.

So reagieren Sie richtig

Mann loescht in Ruhe eine verdaechtige E-Mail

Der wichtigste Schritt ist der langweiligste: nichts tun und die Seite selbst aufrufen. Wer den Umweg über den eigenen Browser geht statt über den Link, kann praktisch nicht mehr hereinfallen.

1
Nicht klicken, nicht antwortenÖffnen Sie keine Links und keine Anhänge. Antworten Sie auch nicht – schon eine Antwort bestätigt Kriminellen, dass Ihre Adresse aktiv ist.
2
Selbst nachsehenRufen Sie das Portal oder die Behörde über Ihr eigenes Lesezeichen oder eine Suche auf. Gibt es dort wirklich eine Nachricht für Sie? In aller Regel nicht.
3
Absender genau prüfenLassen Sie sich die vollständige Absenderadresse anzeigen. Alles, was nach der letzten Punkt-Trennung nicht exakt zur echten Behörde gehört, ist eine Fälschung.
4
Im Zweifel anrufenNutzen Sie die Telefonnummer von der offiziellen Website – niemals die aus der verdächtigen Nachricht.
5
Melden und löschenLeiten Sie die Mail an das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale weiter und löschen Sie sie anschließend.

📬 Schon geklickt oder Daten eingegeben?

Dann zählt jede Minute. Ändern Sie sofort das betroffene Passwort – und überall dort, wo Sie dasselbe verwendet haben. Haben Sie Bankdaten eingegeben, rufen Sie umgehend Ihre Bank an und lassen Sie den Zugang sperren (Sperr-Notruf 116 116). Erstatten Sie anschließend Anzeige bei der Polizei – auch online möglich – und sichern Sie vorher Screenshots der Nachricht. Beratung erhalten Sie bei Ihrer örtlichen Verbraucherzentrale.

Häufige Fragen

Kann ich mich schon durch das Öffnen einer E-Mail infizieren?
In der Regel nicht. Gefährlich wird es beim Klick auf Links und beim Öffnen von Anhängen – besonders bei Office-Dateien mit Makros oder ZIP-Archiven. Wer die Mail nur liest und dann löscht, ist praktisch immer auf der sicheren Seite.
Warum kennen die Betrüger meinen Namen und manchmal sogar echte Vorgänge?
Weil Adressdaten aus früheren Datenlecks massenhaft gehandelt werden. Bei Reisebuchungen ist zuletzt sogar aufgefallen, dass Kriminelle mit korrekten Buchungsnummern und Reisedaten arbeiten. Ein persönlicher Bezug ist deshalb kein Echtheitsbeweis mehr.
Ich habe geantwortet, aber keine Daten eingegeben. Ist etwas passiert?
Unmittelbar meist nicht. Ihre Adresse gilt nun aber als „aktiv“ und wird häufiger angeschrieben. Rechnen Sie mit mehr Versuchen und markieren Sie solche Nachrichten konsequent als Spam.
Gibt es die Klimasonderzahlung wirklich nicht?
Nein. Es existiert kein entsprechender Regierungsbeschluss. Staatliche Leistungen werden zudem nie über einen Link in einer E-Mail „freigeschaltet“, sondern über offizielle Anträge und bekannte Konten.
Wie schütze ich ältere Angehörige?
Sprechen Sie die Maschen konkret an – am besten anhand von Beispielen. Vereinbaren Sie eine feste Regel: Bei jeder Nachricht, die Geld oder Daten verlangt, wird erst in der Familie angerufen. Diese eine Absprache verhindert erfahrungsgemäß die meisten Schäden.

Fazit

Gefälschte Behörden-Nachrichten sind besser geworden – aber ihr Grundmuster ist immer gleich geblieben: ein Versprechen oder eine Drohung, ein Zeitfenster und ein Link. Wer sich angewöhnt, grundsätzlich nie über den Link in einer Nachricht zu handeln, sondern immer selbst zur offiziellen Seite zu gehen, nimmt der gesamten Masche die Grundlage.

Und wenn doch einmal etwas passiert ist: schnell handeln, Passwörter ändern, Bank informieren, Anzeige erstatten. Peinlich ist das nicht – auf gut gemachte Fälschungen fallen auch aufmerksame Menschen herein.